Eine genaue zeitliche Zuordnung des Mühlenbaus ist nicht bekannt, dessen ursprüngliche Errichtung mit der Dorfgründung am heutigen Standort aber wahrscheinlich. Die älteste (uns) bekannte urkundliche Erwähnung der Dorfmühle Willingshausen datiert aus dem „Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Willingshausen, adelich Schwertzellsches Gericht, Amts Ziegenhain“ des Jahres 1747. Danach war die im Dorf gelegene Mühle „fürstlich-hers-fel-di-sches Lehen derer von Schwertzell und bestand aus zwei unterschlächtigen Mahlgängen, einem Schlag- und einem Schneidegang“ zum gleichzeitigen Betrieb von Getreide-, Öl- und Sägemühle.

Als der Müller Arnold 1907 tödlich im Mühlensägewerk verunglückte, wurde die Mühle zunächst von seinem Schwager, dem Stellmacher Johann Heinrich Riebeling übernommen. Nach dessen Tod 1918 übernahm sie sein gleichnamiger Sohn.

1954 pachteten dann dessen Bruder Heinrich Riebeling und sein Sohn Georg Riebeling die Mühle. 1966 wurden erste Siloanlagen errichtet und die erste Trocknung eingebaut.

1973 erwarb Georg Riebeling die Mühle von dem Baron von Schwertzell. Der Eigentumswechsel vollzog sich vor dem Hintergrund einer umfangreichen Modernisierung der Getreidevermahlung. Neben der Getreidevermahlung betrieb die Familie Riebeling noch bis 1993 eine kleinere Landwirtschaft. Die Mühle Riebeling belieferte bis zur Stillegung der Getreidevermahlung viele Bäcker im Umkreis von etwa 40 Kilometern mit hochwertigem Qualitätsmehl aus handwerklicher Erzeugung.

Die letzten Wasserräder wurden 1903 durch eine Turbinenanlage ersetzt. Zunächst kamen zwei nebeneinandergeschaltete Turbinen zum Einbau, bis schließlich 1946 eine Francis-Turbine installiert wurde, die bis ins Frühjahr 1999 zuverlässig ihren Dienst versah.

Der Mahlbetrieb wurde im Frühjahr 1996 eingestellt. Die neuen Eigentümer, Susanne Korte und Jörg Haafke entwickeln seither am Mühlenstandort eine ökologische Landwirtschaft mit Schwerpunkt Mutterkuhhaltung. Die Wasserkraft dient nach dem Ende der Getreidevermahlung vorwiegend zur Stromerzeugung. Mit dem Einbau einer modernen Kaplan-Turbine im Frühjahr 1999 konnte die Leistungsfähigkeit der Anlage optimiert werden. Es werden jährlich bis zu ca. 120.000 kwh Strom produziert und damit rechnerisch etwa 35 Haushalte versorgt.

Im Zuge der Erneuerung der Straße steuerten die Mühlenbesitzer in 2005 die Mehrkosten zur Herstellung des Pflasterbildes auf dem Platz vor der Mühle bei.

Mühlenführungen sind nach Voranmeldung möglich.

Mit dem Moot bey de Mehl im Rahmen des Deutschen Mühlentages (immer Pfingstmontag) bietet die Dorfmühle zusammen mit der benachbarten Töpferei Erbehof eine Plattform für regionale Angebote des Kunsthandwerks und landwirtschaftlicher Produkte. Weitere kulturelle Angebote sind in Planung.

Dorfmühle Willingshausen

Susanne Korte & Jörg Haafke

Untergasse 6 - 8
34628 Willingshausen
Telefon: 06697-1477
www.dorfmuehle.net